Curriculum Vitae
Stand November 2003

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Im zarten Alter von genau 0 Jahren kam ich am 16. April 1979 in Chofu/Japan als Sohn einer japanischen Mutter und eines deutschen Vaters zur Welt. Da ich damals noch nicht in der Lage war zu sprechen, konnte ich meine Eltern nicht davon überzeugen, daß mir aufgrund meiner Herkunft doch mindestens ein japanischer Vorname zustand. So kam ich zu dem vollständigen Namen Alwin Reinhard Heinz Schäfer. Dieser für einen Halbjapaner doch etwas ungewöhnliche Name hat jedoch den Vorteil, daß ich bis jetzt noch nie verwechselt wurde. Um meine Familie zu komplettieren, erwähne ich hier auch meine liebe drei Jahre ältere Schwester. Wir lebten damals zu viert in einer 60 qm Wohnung in einem Hochhaus. Dies mag vielleicht etwas klein vorkommen, doch da in Japan und besonders in Tokyo Wohnraum knapp ist, war das für mich normal.
Nachdem ich ein Jahr lang einen japanischen Kindergarten besucht habe, wechselte ich zur Deutschen Schule Tokyo in Oomori (die mittlerweile aber schon umgezogen ist). Der Nachteil an dieser Schule war, daß sie ca. 100 min. von meiner Wohnung entfernt lag. So mußte ich jeden Tag um 6:00 mit den vollen Zügen (ja, sie sind wirklich voll - und ja, es gibt sie wirklich, die Bahnangestellten, die die Leute in die Züge drücken!) zur Schule fahren. Auch ein vielleicht erwähnenswerter Nachteil bei der deutschen Schule war, daß ich damals noch kein Wort Deutsch konnte. An dieser Stelle bedanke ich mich bei Nana, die ich zwar schon mehr als zehn Jahre nicht mehr gesprochen geschweige denn gesehen habe, für das Dolmetschen am Anfang meiner Schulkarriere.
In der zweiten Klasse ging ich mit meiner Schwester und meiner Mutter für ein halbes Jahr nach Deutschland, um meine Deutschkenntnisse zu verbessern. Wir wohnten damals in einem kleinen Dorf namens Grunbach. Hm es ist schon lange her, aber eine Sache weiß ich noch sehr gut: In der ersten Stunde Schwimmen wurde ich gefragt, ob ich Schwimmer oder Nichtschwimmer bin. Sorry Frau Lehrerin, aber ich habe Sie damals gar nicht verstanden. Ich sah nur: Die Schwimmer mußten Bahnen abschwimmen und die Nichtschwimmer plantschten im seichten Becken. Ich erwähne hier nur mal nebenbei, daß ich davor in Japan in einem Schwimmverein war. Ich zeige also auf die Nichtschwimmer, weil die mehr Spaß zu haben schienen, und zack, seit dem Tag wurde ich auch Nichtschwimmer. Meine Freunde in Meerbusch werden bestätigen können, daß ich nicht schwimmen kann und auch nur mit Ach und Krach Bronze geholt habe (peinlich peinlich). Leider habe ich auch jeglichen Kontakt zu den damaligen Freunden verloren, also schreibt mir, falls ihr das zufällig lesen solltet.
Wieder in Japan, veränderte sich die Familienkonstellation etwas. Meine Schwester blieb noch ein wenig länger (so zwei Jahre) in Deutschland, so daß ich quasi zu einem Einzelkind wurde. Auch wurde meine Mutter berufstätig, was zur Folge hatte, daß ich nach der Schule anstatt nach Hause immer in ein sogenanntes "Schülerheim" ging, um Hausaufgaben zu machen und Essen zu fassen. Erst so gegen 19:00 ging ich dann nach Hause, wo ich aber fast gleich aufs Futon fiel. Dieses Heim war eine christliche Einrichtung für Missionarskinder, deren Eltern in ganz Japan verteilt waren. Hier ist zu erwähnen, daß ich keiner Glaubensgemeinschaft angehöre - weder dem Christentum noch dem (in Japan üblichen) Shintoismus oder dem Buddhismus. Doch hier wurde vor dem Essen gebetet und ich hatte auch sogenannte Bibelstunden. Das ist wohl auch der Grund dafür, warum ich später in der Schule ev. Religionsunterricht belegt habe und es sogar als mündliches Prüfungsfach im Abitur hatte.
Nach der Grundschule zogen wir wieder nach Deutschland, diesmal aber für immer. Wir zogen nach Meerbusch, da die Nähe zu Düsseldorf als größte japanische Kolonie in Europa die Trennung von Zuhause erleichtern könnte. Ja und Meerbusch kann man wohl als meine Heimat bezeichnen, denn "Heimat ist nicht da, wo man geboren wird, sondern da, wo man sich geborgen fühlt". Ich ging also ab Herbst 1989 auf das Städtische Meerbusch Gymnasium in Strümp. Dort machte ich dann auch im Juni 1998 mein glorreiches (ich sag nur 00) Abitur. In der Zeit zwischen den beiden letzten Sätzen habe ich viel gelernt und auch viel gemacht. Sportlich gesehen war ich sogar ziemlich erfolgreich: Wie schon erwähnt, machte ich in der 6. Klasse mein Bronze als Freischwimmer und durfte endlich auch mal in dem tiefen Becken schwimmen. Auch als Judoka war ich sehr mächtig: Nicht nur, daß ich drei Jahre lang bei Bayer Uerdingen war - nein, ich habe sogar den gefürchteten gelben Gürtel (für Laien: gelb = eine winzige Stufe über blutiger Anfänger). Vielleicht hätte ich doch ein paar Prüfungen ablegen sollen?! Doch meine längste Zeit im sportlichen Bereich verbrachte ich auf dem Ascheplatz. Beim ASV Lank spielte ich vier Jahre lang in der B bzw. A - Jugend Fußball. Als wirklich guter Spieler hatte ich natürlich einen Stammplatz: Linksaußen - auf der Bank. Meine Statistik: Nicht viele Spiele, aber immerhin ein Tor ist mir dann doch mal geglückt. Danke Gockel für die Vorlage damals.
Doch von Sport allein kann der Mensch nicht leben. Für die Seele hatte ich meine Querflöte. Wie ich zu diesem Instrument kam? Ja, eine gute Frage. Es war kurz nach der Ankunft hier in Deutschland, da gab es in Meerbusch ein Schützenfest; natürlich mit viel Musik. Ich hörte bei den Märschen die kleine hohe Piccolo und wollte unbedingt dieses Instrument spielen. Ab ging es zur Musikschule, auf deren Frage, was ich denn schon so alles könnte, wenn ich denn Piccolo spielen will, ich eine Grundschulausbildung in Blockflöte vorweisen konnte. Nun, das geht nicht hieß es, zuerst müßte ich die "große" Flöte beherrschen. Na gut, Querflöte mochte ich ja schon immer dachte ich. Nur so unter uns: Erst als ich später in das Meerbuscher Jugendblasorchester eintrat, bemerkte ich, daß mein "Trauminstrument", welches ich immer aus einer Mozartkassette herausgehört hatte und für die Querflöte hielt, gar nicht die Flöte war, sondern die Oboe! Doch ich kann mit Stolz behaupten, der beste Querflötenspieler des Orchesters gewesen zu sein. Daß das vielleicht damit zusammenhing, daß ich der einzige Junge mit diesem "Mädcheninstrument" war, lasse ich mal im Raum stehen.
Auch einen großen Teil meiner Freizeit raubte mein "Hobby", die japanische Schule, die ich jeden Samstag für vier Stunden besuchte. Dieser am Anfang doch recht mühsame Weg der Erhaltung meiner Muttersprache war im Nachhinein der Garant dafür, daß ich jetzt beide Sprachen (Deutsch und Japanisch) nahezu perfekt sprechen kann. Es kommt einem Wunder gleich, daß ich die alljährlichen Schriftzeichenprüfungen bestanden habe, wenn auch immer erst in der Nachprüfung. Allerdings muß ich zugeben, daß ich fast alles direkt nach der Prüfung vergessen habe. Ich erinnere mich noch gerne an meine Lehrerin Frau Takata, die am Ende des ersten Dritteljahres meinte: "Die Schriftzeichen sind wichtig! Ich werde Dich dazu bekommen, daß Du sie pauken wirst." Am Ende des zweiten Drittels hieß es: "Bitte gib Dir mehr Mühe, Du mußt das machen." Zum Ende des Schuljahres gab sie mir auf den Weg: "Ich gebe es auf, aber versprich mir eins: Wenn Du mal einen Liebesbrief schreibst, schlage die Wörter in einem Schriftzeichenwörterbuch nach."
Und nun, was wartet auf alle jungen Männer nach dem Abitur? Richtig: Die Bundeswehr! Na gut, jedem das Seine, wer nicht will, der hat schon, aber solltest Du gerade vor der Entscheidung stehen, zum Bund zu gehen oder Zivi zu machen, dann laß Dir gesagt sein: Wer nicht beim Bund war, verpaßt was! Die nahezu elitäre Grundausbildung hatte ich in der 17./LAR 1, einem alten Fliegerhorst der NVA in Holzdorf. Wenn ihr ganz zufällig nicht wißt, wo das liegt: Solange ihr keine wirklich gute Deutschlandkarte habt, werdet ihr es auch nicht finden! Als stolzer Luftwaffensoldat bekam ich schon mal ein paar Rüffel vom Ausbilder, wenn ich Fragen gestellt habe wie z.B., ob die weiße Fahne zur Grundausstattung eines jeden Soldaten gehört. Falls es euch interessiert: Die Antwort lautet "Nein! Sie werden hier zum Töten ausgebildet!". Nach den mehr oder weniger lustigen und anstrengenden acht Wochen wurde ich ins LwMunDp 81 (mittlerweile geschlossen) in Düren versetzt, nachdem man mir wegen meiner asiatischen Herkunft die Verlegung in die NATO-Kaserne Geilenkirchen verweigert hatte. Die letzten acht Monate war ich Verpflegungsverwalter, d.h., daß ich jetzt in der Terrorismusbekämpfung eingesetzt werden kann, um die ganze Zeit den klugen Spruch: "Ich bin hier nur der Koch!" zum Besten zu geben.
Nachdem ich den Krieger in mir zehn Monate lang hab raushängen lassen, wurde es wieder Zeit für Denkarbeit. So kam es, daß ich seit dem Oktober 1999 an der Technischen Universität zu Braunschweig das geniale Fach Wirtschaftsingenieurwesen Fachrichtung Elektrotechnik belegt habe. Für alle, die denken, Mathe LK ist mega schwer, sei an dieser Stelle gesagt: Es gibt noch viele, wirklich viele, nahezu unendlich viele Steigerungen von "mega schwer". Außerdem habe ich den Rat meines alten Chemie-Mentors befolgt und Mathe und Chemie (Philosophie als Wahlpflichtfach) auf höheres Lehramt angefangen.
So schnell sind vier Jahre vorbei! Und das dann noch nicht mal erfolgreich. Nachdem ich so ziemlich die geilsten Jahre meiner noch jungen Existenz hier im wundervollen Braunschweig erleben durfte, habe/wurde ich abgebrochen. Da ich aber auch mit dem ewigen Fluch dieser Stadt belegt bin, konnte ich Braunschweig nicht verlassen und wechselte im Oktober 2003 auf Wirtschaftsingenieurwesen Fachrichtung Maschinenbau. Ob's gut gegangen ist, verrate ich euch in ein paar Jahren...

So, das war es erst einmal. Weitere Informationen folgen bei Bedarf!

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